Nicht nur Triathlon aus Leidenschaft...

Ausdauerleistungsverein (ALV) Mainz e.V.

Eine Vereinsmeisterschaft in drei Akten

Triathlon ist eine Individualsportart. Der gemeine Triathlet wird landläufig daher auch gern mal als sturer Einzelgänger klassifiziert. „Herrlich, Triathlet zu sein!“ mag sich in den ersten Märzwochen auch mancher gedacht haben, immerhin konnten wir weiterhin fast uneingeschränkt unserem Hobby des Laufens und Radfahrens nachgehen. Wie viel aber dann doch fehlt, wenn kein gemeinsames Training möglich ist und ein Wettkampf nach dem anderen abgesagt wird, haben wir dieses Jahr aber auch alle leidvoll erfahren müssen: aus allein Sport machen wird dann schnell einsam Sport machen.

Der ALV hat dem Frust jedoch schnell Abhilfe geschafft, denn in den ins Leben gerufenen Corona Challenges konnten wir uns vereinsintern virtuell messen. Dabei galt es jeden Monat eine abgesprochene Rad-, Lauf- und Schwimmstrecke allein und schnellstmöglich zurück zu legen. So brach schnell wieder Wettbewerbseifer aus und auf allen Leistungsniveaus wurden sich über die Sommermonate heiße Duelle geliefert und freundschaftliche Rivalitäten aufgebaut.

Dieses virtuelle Duellieren sollte dann am Wochenende vom 4.-6. September 2020 seinen Höhepunkt finden, in der Vereinsmeisterschaft Triathlon des ALV. Dabei fand die Einhaltung von Hygieneregeln immer vollste Beachtung: An drei aufeinanderfolgenden Tagen wurde ein 800 m Schwimmtest im Freibad, ein individuelles Bergzeitfahren und ein anschließender 8 km Lauf mit Jagdstart durchgeführt: eine Vereinsmeisterschaft in drei Akten.

Akt 1. Mombach am frühen Freitagabend, die Sonne senkt sich langsam über dem Großen Sand, glücklicherweise ist es noch angenehm warm. „Gute Vorzeichen“, denk ich mir, denn nur zu gut konnte ich mich noch an das wirklich kalte Wasser vom letzten Training erinnern. Die tiefstehende Sonne gibt mir etwas zu denken, denn meine einzige nicht-getönte Schwimmbrille hat leider vor einiger Zeit den Geist aufgegeben. „Ach wird schon,“ sag ich mir, „die machen bestimmt gleich das Flutlicht an“. Immer optimistisch bleiben.

Dabei steht für mich schon am ersten Tag einiges auf dem Spiel. Nicht nur möchte ich Vereinsmeister in der Teildisziplin Schwimmen werden, auch rechne ich mir eigentlich Chancen auf den Gesamtsieg aus. Das Problem dabei: Ich bin trotz aller Mühen nur ein mittelguter Radfahrer und die Laufform ist auch noch ganz schön wackelig. Glücklicherweise ist mir ein bisschen Schwimmtalent in die Wiege gelegt worden und ich weiß, dass ich mir mit einer guten Schwimmleistung um die 3 Minuten Vorsprung auf die schärfste Konkurrenz erarbeiten kann. Die könnten dann als Vorsprung reichen. Vielleicht.

Ich bin auf die Minute pünktlich am Treffpunkt. Alle anderen sind schon da, was mir dann doch ein Schmunzeln aufs Gesicht treibt. Anscheinend bin ich nicht der Einzige, der wieder richtig Lust auf Wettkämpfe hat. Also rein ins Schwimmbad, kurz Einschwimmen, Los! Wir starten in 5 Sekunden Abständen, um ein wenig den Abstand zu verringern und den Faktor des Wasserschattens etwas zu minimieren. Leider ist das Flutlicht noch nicht eingeschaltet worden und die 25 m Bahn verwandelt sich zusehends in eine Waschmaschine im Dunkelwaschgang. Viele kraftzehrende Überholmanöver sind für mich zu vollziehen, auf der Doppelbahn ist alles etwas chaotisch. Auf die Rollwenden verzichte ich des Öfteren um mir ein bisschen Orientierung zu verschaffen. Ich muss sogar zwei Mal Anhalten um Wasser aus der Brille zu lassen, das kostet jedes Mal wertvolle Sekunden. Irgendwann in der zweiten Hälfte des Schwimmens, ich zähle schon nicht mehr mit, war es dann endlich soweit, das Flutlicht geht an! Ab dann ging es wieder besser voran, eine richtig gute Endzeit hatte ich mir dann aber schon verbaut. Die Frustration über die 20 Sekunden, die ich irgendwo im Becken liegen gelassen hab verschwindet aber schnell als ich höre was für tolle Schwimmzeiten realisiert wurden. Isa führt mit großem Abstand das Frauenfeld an und viele konnten ihre Bestzeit um eine halbe oder sogar eine ganze Minute verbessern. Tolle Leistungen, insbesondere von Doro, Murphy, Kai, Malte und Tobias!


Ergebnisse Tag 1 - Schwimmen

Isabelle           11:50

Doro               14:27

Murphy           15:13

Judith             15:21


Thomas         12:10

Michael          12:34

Dirk                13:42

Heiko             14:34

Jochen          14:57

Kai                 15:42

Rainer            15:48

Malte              16:02

Tobias            16:46

 Vereinsmeister Schwimmen: Isa und Thomas.

Akt 2. Samstagmorgen, irgendwo im Taunus. Nebelschleiher liegen über dem kleinen Wanderparkplatz bei Langenseifen, das Thermometer misst 13 Grad. Eigentlich sehr idyllisch, aber mittendrin schwirren knapp 20 rot gekleidete Triathleten, die emsig an ihren Zeitfahrboliden arbeiten. Nervosität und Spannung liegt in der Luft. Ohne bisherige Wettkämpfe in diesem Jahr wirkt das alles irgendwie surreal. 

Vom Zielpunkt in Langenseifen fahren wir erst alle mit dem Rad zum Startpunkt in Lorch. Die Ausgangslage für das Bergzeitfahren, für viele das Highlight der 3-tägigen Meisterschaften, ist interessant: Bei den Frauen bahnt sich ein spannender Vierkampf an. Isa hat zwar bereits einen riesigen Vorsprung aus dem Schwimmen, aber Doro die meiste Erfahrung auf dem Rad. Murphy und Judith haben ebenfalls noch gute Chancen. Bei den Männern zeichnet sich ein Dreikampf zwischen Erich, Jochen und Tim um den exklusiven Titel des Vereinsmeisters im Bergzeitfahren ab. Bei mir stehen heute die Zeichen auf Schadensbegrenzung für die Gesamtwertung, denn das Radfahren ist historisch gesehen meine schwächste Disziplin. Das Training lief allerdings sehr gut in den letzten Monaten und, wer weiß, vielleicht kann ich ja doch noch irgendwie in die Top 3 fahren und den Abstand geringhalten. Erich und Tim werden nicht alle drei Disziplinen der Vereinsmeisterschaft ablegen, daher läuft es auf einen Zweikampf zwischen Jochen und mir in der Gesamtwertung heraus. Derzeit habe ich 2 Minuten und 47 Sekunden Vorsprung, Tendenz jedoch stark fallend.

Hier sind wir also, mit großen Ansprüchen auf den Vereinsmeistertitel, großem Zeitfahrhelm und großem Respekt vor der anstehenden Aufgabe. 21 km gilt es heute zu bewältigen, davon die ersten 18 km sanft bergauf, bis dann am Ende noch die „Langenseifener Wand“ über 3 km und etwa 7 % Steigung wartet. 12 % hat sie an den steilsten Stellen und ich bin froh am Vortag noch eine Kassette mit 32er Ritzel montiert zu haben. Pacing soll heute also eine wichtige Rolle spielen: Wer anfangs zu viel riskiert, kann am Schlussanstieg enorm viel Zeit verlieren.

Kurz vor dem Start bricht dann Hektik aus. Nicht nur muss der Startpunkt kurzfristig wegen einer Baustelle verlegt werden, auch ist Tobias‘ Kette leider zwischen Speichen und Kassette gefallen und hat sich dort verkeilt. Trotz aller Bemühungen der Umstehenden ist dieser ohne Werkzeug nicht beizukommen und das Rennen für Tobias leider schon vor dem Start beendet. Im 1-Minuten Takt gehen die 15 Starter auf die Strecke. Ich fahre zum Startpunkt vor. „Noch drei!“ heißt es. Noch einmal tief durchatmen, den richtigen Gang nochmal checken, und auf geht’s. Die Strecke ist durchaus etwas kurvig und leicht undulierend, mal geht es etwas steiler bergauf, dann wieder leicht bergab. Ich denke mir „Bloß nicht zu schnell anfangen“, ducke den Kopf so oft wie möglich nach unten, die Augen fliegen hin und her zwischen Straße und Wattmesser. Meine Beine fühlen sich gut an, also visiere ich erstmal die obere Grenze des Watt-Bereichs an, den ich mir vorgenommen hatte. Jochen startet 1 Minute hinter mir und ich hoffe einfach ihn nicht all zu früh zu sehen, denn als starker Radfahrer soll er mir heute noch die eine oder andere Minute abnehmen.

Derweil spielen sich im Frauenfeld etwas turbulente Szenen ab. Verunsichert durch eine Baustelle und den Ausfall ihres Garmins denkt Murphy schon zu weit gefahren zu sein und dreht auf der Strecke um. Nach wenigen hundert Metern kann sie jedoch ihren Fehler korrigieren als sie der nach ihr startenden Doro entgegenfährt. Das Manöver wird ihr aber wohl leider die eine oder andere Minute gekostet haben. Isa hingegen setzt ihren Siegeszug fort und schafft es nicht nur ihren Vorsprung vor Doro zu verteidigen, sondern sogar auszubauen. Sie kommt mit über einer Minute Vorsprung vor der Zweitplatzierten Judith ins Ziel, eine wirklich klasse Radleistung! Den dritten Platz sichert sich Doro.

Die drei erfolgreichsten Frauen: 2. Platz Judith, 1. Platz Isabelle, 3. Platz Doro

Bei den Männern gibt es das erwartete Fernduell zwischen Erich, Jochen und Tim. Während zu Beginn der Langenseifener Wand alle ungefähr gleichauf liegen, kann Jochen am Ende am meisten zulegen: er fliegt die Wand förmlich hoch und sichert sich den Tagessieg. Ich erlebe diese imposante Vorstellung selbst mit, denn Jochen hat seinen Rückstand von einer Minute bis zum Fuß des Schlussanstiegs aufgeholt und schafft es dann mir binnen 3 km eine weitere Minute aufzubrummen. Und das obwohl ich es auch schaffe am Ende noch mal alles aus mir rauszuholen, Uff! Erich sichert sich knapp vor Tim den zweiten Platz. Ich habe alles gegeben und mir das Rennen nahezu perfekt eingeteilt, daher gebe ich mich mit 2:02 Minuten Rückstand und Platz 4 zufrieden und weiß, dass mit den mir verbleibenden 45 Sekunden Vorsprung in der Gesamtwertung ein spannender abschließender Lauf bevorsteht.

Die drei erfolgreichsten Männer: 3. Platz Tim, 1. Platz Jochen, 2. Platz Erich

Ergebnisse Tag 2 - Radfahren

Isabelle           49:10

Judith             49:43

Doro               50:36

Murphy           51:55


Jochen            38:59

Erich               39:46

Tim                 40:05

Thomas          41:01

Rainer            43:20

Michael          43:59

Heiko             44:26

Dirk                46:03

Kai                 47:36

Winfrid           49:00

Jan                 53:44        

Vereinsmeister Bergzeitfahren: Isa und Jochen

Akt 3. Sonntagmorgen, Mainzer Opel Arena. Die Luft ist noch kühl, aber die Sonne gewinnt langsam die Oberhand. Perfektes Laufwetter und eine hervorragende Bühne für den finalen und abschließenden Wettkampf des Wochenendes, ein Lauf über 8.3 km. Zwei Runden gilt es zu absolvierenden. Der Parcours ist eher flach, aber anfällig für Wind und mit ein paar versteckten Steigungen versehen. Das Format ist Lauf mit Jagdstart, bei welcher die Summe der Schwimm- und Radleistung die Startzeit bestimmt. Der erste Läufer an der Ziellinie gewinnt, maximale Spannung ist daher vorprogrammiert.

Die Stimmung unter den nach und nach eintrudelnden Teilnehmern ist positiv und ausgelassen. Nach der schwierigen Prüfung im Bergzeitfahren sind die Plätze im Gesamtklassement bereits relativ festgezurrt und viele sind gekommen um beim Lauf mit den Vereinskollegen Spaß zu haben. Auch der ein oder andere Zuschauer findet sich am Streckenrand ein, denn ein paar offene Fragen gibt es noch: Können die schnellen Läufer*innen Rainer und Murphy die 2 Minuten zu den vor Ihnen Startenden Michael und Judith schließen und sich Platz 3 auf dem Podium sichern? Und wer wird Vereinsmeister bei den Männern, kann ich mir Jochen vom Leib halten? Ein Blick in die Vorergebnisse ist interessant, denn noch vor ein paar Wochen war Jochen über 7.5 km genau 42 Sekunden schneller als ich. Alles deutete also auf ein Kopf-an-Kopf Rennen hin.

Auch wenn meine Laufumfänge nach einer Verletzung im Frühjahr noch nicht sehr hoch waren, ist das Laufen für mich eigentlich eine gute Disziplin und ich hatte mir für das Rennen eine Strategie ausgeknobelt: Ich muss natürlich am Anschlag laufen, will mir aber noch ein kleines Prozentchen im Tank lassen um taktische Spielräume zu haben sobald Jochen zu mir aufschließt. Gesagt, getan. Von Kilometer zu Kilometer schmilzt mein Vorsprung langsam dahin. Bei Kilometer 6 bekomme ich plötzlich leichtes Seitenstechen. Ich reduziere das Tempo leicht, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen, denn Jochen ist bereits knapp hinter mir. Ich werde die Probleme glücklicherweise wieder los als wir bei Kilometer 7 direkt beieinander sind. Nach drei Disziplinen an drei Tagen kam es also zum erhofften Duell auf dem Schlusskilometer. Gut 500 m vor dem Ziel gibt es einen kleinen Anstieg und mir ist klar, dass sich das Rennen hier vorentscheiden kann. Ich bin in der taktisch schlechteren Position in Führung, aber wähne mich als der bessere Sprinter. Ich entscheide mich daher dazu im Anstieg ein klein wenig Tempo herauszunehmen. Als „Standversuch“ wird Jochen das später bezeichnen, ich bin mir aber nicht sicher ob man 4:30 min/km so nennen darf. Jochen macht nun das einzig Richtige: Er sieht das als Schwäche und setzt eine harte Attacke. Ich versuche die plötzliche Tempoverschärfung möglichst gleichmäßig mitzugehen und schließe nach 100 m wieder zu ihm auf. Jetzt kann ich den Spieß umdrehen und nehme die höhere Geschwindigkeit mit in meine Gegenattacke. Ich gebe zu, ich schaue derzeit vielleicht ein bisschen zu viel Tour de France, aber das Manöver fruchtet, ich biege mit etwas Vorsprung auf die Zielgerade ein und kann das Tempo hochhalten. Dieser Vorsprung soll dann reichen und ich laufe als glücklicher Gewinner über den Zielstrich. Ein tolles Ergebnis für mich, insbesondere da ich in Jochen einen superstarken Konkurrenten hatte und wir uns einen spannenden Kampf liefern konnten.

Rainer und Michael liefern sich einen ähnlich knappen Kampf um Platz 3. Ebenfalls erst auf der Zielgeraden fällt hier die Entscheidung und Rainer läuft als Dritter, wenige Sekunden vor Michael, über den Zielstrich.

Das Männerpodium: 3. Platz Rainer, 1. Platz Thomas, 2. Platz Jochen

Bei den Frauen laufen Isa und Doro ungefährdet die Plätze 1 und 2 nach Hause. Isa führt daher ihre Dominanz fort und ist nicht nur Vereinsmeisterin im Schwimmen, Radfahren und Swim&Run, sondern nun auch im Triathlon. Im knappen Rennen um Platz 3 setzt sich Murphy am Ende gegen Judith durch.

Das Frauenpodium: 3. Platz Murphy, 1. Platz Isabelle, 2. Platz Doro

Als abschließendes Fazit bleibt mir nur zu sagen: Es war ein spannendes und toll organisiertes Event, dass zwar keinen Spitzensport bot, aber durch das Gemeinschaftsgefühl, schöne Strecken, viele kleine Duelle und persönliche Bestleistungen ungeheuer Spaß gemacht hat! Schön so viele Teilnehmer bei unserem selbstgestrickten Triathlon zu sehen und ein herzlicher Dank geht an Doro für die Organisation dieses Events und an die Helfer Alex, Caro, Uli, Anne, Sigrun und Esther.

 Thomas Berkemeier

Ergebnisse Tag 3 - Laufen

Murphy           37:12

Doro               38:20

Isa                  39:08

Judith             41:40


Jochen          32:27

Rainer           32:57

Thomas         32:59

Michael          35:44

Kai                 35:51

Heiko             36:06

Dirk                37:48

Tobias            38:30

Winfrid           40:12

 

Ergebnisse Gesamt - Triathlon

Isabelle           01:40:08

Doro               01:43:23

Murphy           01:44:20

Judith             01:46:44


Thomas          01:26:10

Jochen           01:26:23

Rainer            01:32:05

Michael          01:32:17

Heiko             01:35:06

Dirk                01:37:33

Kai                 01:39:09