Nicht nur Triathlon aus Leidenschaft...

Ausdauerleistungsverein (ALV) Mainz e.V.

Abenteuer Trans Bayerwald

Schon im Februar hatte ich mit Judith, die ihr vielleicht noch von früher vom Lauftraining kennt, geplant, die Nordrunde der Trans Bayerwald zu fahren. Und zum Glück war dies Ende Juni auch wieder möglich. Die Nordrunde bietet 350km und rund 10.000 HM und besteht aus sieben Etappen. Wer mich kennt, den wundert es jetzt vielleicht nicht, dass ich das erst mal auf viereinhalb Tage zusammen gestrichen habe… :)

So sind wir Montag morgens nach Falkenstein gefahren, wo unsere erste Etappe startete. 43 KM warteten auf uns und ich dachte, das kann man doch locker an einem Nachmittag radeln. Die 1500 HM hatte ich zwar im Hinterkopf, aber was ich nicht gelesen hatte, war, dass sie einen Trailantreil von 40% hat. So wurde aus dem „ein 15er Schnitt geht immer“ doch ein etwas langsamerer Gang. Doch ziemlich geschafft kamen wir dann in Sankt Englmar an und der Respekt vor den kommenden Tagen, die alle mehr Kilometer und Höhenmeter haben sollten, wuchs.

Tag 2 brachte uns mit 62 KM und 1800 HM nach Bischofsmais. Hier war der Trailanteil sogar noch höher, doch es gab weniger Schiebepassagen bergauf als am ersten Tag und bergab kommt man auch auf Trails schnell voran. Insbesondere die Wege nach Bernried runter waren richtig zum Genießen. Leider war hier die Beschilderung weniger gut als am ersten Tag, so dass die Garmin immer mal wieder „Off Course“ meldete und uns noch ein paar zusätzliche Höhenmeter bescherte… So langsam hatten wir uns mit dem Rucksack auf dem Rücken eingefahren und der Hintern sich an das Sitzen gewöhnt. Einen tollen Ausblick gab es vom Dreitannenriegel. Im Ziel wurden wir mit einer tollen Ferienwohnung „Zur Alten Post“ belohnt mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem Balkon, auf dem wir unsere ausgewaschenen Sachen trocknen konnten.


Am nächsten Tag stand eine Etappe mit weniger Trails, dafür aber dem Dach der Tour, dem Großen Arber an. Der Arber ist mit knapp 1456m auch der höchste Berg im Bayerischen Wald, so dass wir uns dort einen Kaffee bei bestem Blick erhofften. Der Anstieg dort hoch zog sich über zweiundzwanzig Kilometer, war aber in den meisten Abschnitten nicht zu steil und gut zu fahren. Der Rucksack, der dann doch das Körpergewicht um mehr als 10% erhöht, machte sich aber auch hier bemerkbar. Oben auf dem Arber war es richtig voll, aber leider kein Berggasthof in Sicht. Nachfragen ergab, dass man dafür in die falsche Richtung runter muss – nein danke! Unser Wasservorrat war leider auch aufgebraucht, aber es ging ja erst mal bergab. An einem Bergbach haben wir dann aufgefüllt, lieber einen Magen-Darm-Infekt riskieren, als dehydrieren, dachten wir uns. Und einige Kilometer später wurden wir auch mit einem schönen Berggasthof belohnt, wo wir uns mit Kaffee und Kuchen stärken konnten für die letzten zwei Anstiege. Und die Abfahrt nach Lohberghütte. Da ging es ganz schön steil, steinig und wurzelig bergab und hat uns an unsere Grenzen gebracht. Mit dem Rucksack fährt es sich doch nochmal anders. Trotzdem hatten wir Abends noch die Muße für einen Spaziergang nach Lam hinein und haben uns mit leckerem Essen beim Italiener belohnt.

Am nächsten Tag standen 95 Kilometer auf dem Plan. Der Hintern von Judith hat kapituliert und sie wollte, um den letzten Tag nochmal genießen zu können, einen Teil der Strecke mit dem Bus zurücklegen. Also musste ich alleine ran. Und habe mich erst mal auf den Ossersattel gequält. Durch die Regenfälle der Nacht hatte ich das Gefühl, ich schiebe ein Bachbett hoch – an Fahren war da nicht mehr zu denken – auch nicht mit einem leichteren Rucksack, denn ich hatte Judith ein paar Sachen mitgegeben. Bis Furth lief es gut und hier wäre die Etappe eigentlich beendet. Aber ich wollte ja zwei Etappen machen an diesem Tag und so musste ich weiter nach Rötz. In der Info habe ich mir den Stempel geholt, damit ich auch das Finishen nachweisen kann und mir gute Tipps abgeholt („die Strecke von Rötz nach Falkenstein ist gut zu fahren“) – das machte Hoffnung, dass wir am letzten Tag nicht abkürzen müssen. Weiter ging‘s auf den Gibacht. Dort oben grollte der Donner und ich guckte nicht nach einer Aussicht, sondern dass ich schnell den Berg wieder runter komme. Leiter wusste weder meine Uhr noch die Streckenführung, wo es lang geht. Und Internet war auch Fehlanzeige. Die Uhr meldete „Off Course“, egal welchen Weg ich einschlug und die Pfeile führten mich im Kreis. Ich habe dann einfach die Abfahrt genommen, die mir am wahrscheinlichsten erschien. Und zum Glück war es richtig. Kurz vor dem Treffpunkt mit Judith, die die letzten 25 KM wieder mit mir radeln wollte, erwischte mich dann das Unwetter. Starkregen und Hagel und kein Unterstand in Sicht. Ich habe mich dann unter Bäume gekauert, die Regensachen anzogen, mein Brötchen gegessen und gehofft, dass es schnell vorbei geht. Glücklicherweise war das so und ich konnte bei leichtem Regen weiterfahren und war dann auch bald bei Judith. Zu Zweit macht‘s einfach noch mehr Spaß! In Rötz schien dann wieder die Sonne und ich konnte meine Sachen, insbesondere die Schuhe, trocknen.

Am nächsten Morgen sind wir dann allen Ernstes um 6h44 aufs Bike. Meine Beine waren richtig schwer, mein Hintern schmerzte und wenn Judith gesagt hätte, „Komm, wir kürzen ab“, ich hätte alles unterschrieben. Aber wer mich kennt, weiß auch, dass ich nicht so schnell aufgebe. Und so brachten wir auch die Etappe nach Stamsried hinter uns und starteten dann um kurz vor 10 auf die letzte Etappe, die uns zurück zum Auto bringen sollte. 54 KM und 870 HM waren noch zu absolvieren! 30 Kilometer später machten wir dann noch eine Kaffeepause in Walderbach, wo ich zwei Kaffeestückchen vernichtete. Das gab Kraft für den letzten Abschnitt! Viel früher als erwartet waren wir nach guten 90 Kilometern und sechseinhalb Stunden dann vor vierzehn Uhr wieder in Falkenstein. Zum Glück war uns auch die A3 wohlgesonnen und ich kam staufrei nach Hause.

Die Trans Bayerwald ist eine schöne Tour, die man aber auf gar keinen Fall konditionell unterschätzen sollte. Super ist die Tatsache, dass es ausgeschildert ist und man in der Regel (!) nicht auf die Karte gucken muss. Für nächstes oder übernächstes Jahr ist dann die Südrunde geplant.

 Dorothee Richters