Nicht nur Triathlon aus Leidenschaft...

Ausdauerleistungsverein (ALV) Mainz e.V.

Xterra Duathlon in Schleiden - selten hat Versagen so viel Spaß gemacht

Die Kurzversion:

Für Verrückte oder geübte Mountainbiker empfehlenswert. 2. Versuch in 2021 ein Muss, wegen „unfinished business“ (die Waldabfahrt und ich müssen nochmal was klarstellen)!

Die Langversion:

2020 fing eigentlich ganz gut an. Ich hatte bis Weihnachten viel Grundlagentraining gemacht, brav auf der Rolle trainiert und mir dann im neuen Jahr ein schönes Rennrad gegönnt. Kurzum ich war „ready to race“. Dann kam Covid und wie jeder weiß, auch das schnelle Ende der Wettkampfsaison bevor sie eigentlich angefangen hat.

Super, dass einige Kollegen die ALV Challenge organisiert haben, mit der Vereinsmeisterschaft als echter Höhepunkt, gefühlt auch ein echtes Race und irgendwie auch ein Saisonabschluss. Darauf hin habe ich mich auch geistig damit abgefunden nicht mehr zu „racen“, sondern angefangen mit der Trainingsplanung für 2021. Immerhin muss ich ja deutlich schneller werden, um den Abstand zu verschiedenen Lieblingsgegnern im Verein entweder zu halten oder die Lücke zu schließen (Projekt „HeiPhi 2021ff“).

Also auf zum wöchentlichen Lauftraining des ALV und Intervalle klotzen. Während des Einlaufens erzählte mir Winfrid dann so ganz nebenbei, dass er ja im Oktober noch einen Duathlon in der Eifel macht. Was es gibt echte Rennen? Da muss ich hin. Am selben Abend noch das IPad geschnappt und gestöbert. Und in der Tat sollten am letzten Oktoberwochenende zwei Duathlons stattfinden, der Xterra Event in Schleiden in der Eifel und eine Sprintdistanz in Monsheim bei Worms.

Nach einem kurzen Streckenvergleich war klar – es geht in die Eifel. Aber welche Distanz? Es gibt nämlich den XTerra Light (4.1.-15-4.1) und den normalen Xterra (8.2-26-4.1). Und da ich ja eigentlich ja so viel Grundlagenausdauer gemacht habe und es ja das einzige Rennen des Jahres werden sollte, müsste doch eigentlich der Xterra gehen. Zum Glück habe ich mich nach langem hin und her für die „Light-Version“ entschieden. Besser ist das.

Nach der Anmeldung habe ich dann mal in unserem Vereinschat meine Entscheidung bekanntgegeben, um mal zu schauen ob noch jemand Lust und Zeit hat. Und wie ich es erwartet habe, hat relativ schnell Thomas B. zugesagt. Damit waren wir nun drei Teilnehmer. Wilfried und ich gemeldet für den Xterra Light und unser frisch gekürter Vereinsmeister Thomas für die volle Distanz.

Ein echtes Race – trotz Corona! Wenn auch nur so eine „Minidistanz“. Oder doch noch schnell ummelden auf voll? So zu mindestens dachte ich zu dem Zeitpunkt noch darüber. Erste Zweifel kamen auf, als Erich K. im Chat andeutete, dass der Xterra eher ein wenig anspruchsvoller sein soll und viele seiner alten Kampfkumpanen diesen Event meiden wegen „zu heftig“. Da wurde mir doch zum ersten Mal mulmig und ich beschloss ein wenig mehr mit dem Mountainbike im Wald zu fahren und „bunny hops“ zu üben.

Dann kam die Woche vor dem Rennen und die 2. Corona Welle. Momsheim war längts abgesagt und auch bei Wilfried hat die Vernunft gesiegt und er ist nicht hingefahren. Im Gegensatz zu Thomas und mir.

Samstag 10 Uhr fuhr ich also los, war kurz nach 12 Uhr da und traf auch direkt Thomas, der sein neues schönes Canyon Exceed auspackte (Neid!). Gemeinsam gingen wir zur Anmeldung, brachten die Räder zur Wechselzone, zogen uns um und quatschten noch mit Thomas Eltern, die für uns an diesem Tag als emotionale Stütze angereist waren. Ein paar echte Duathlon-/Triathlonprofis waren auch zu sehen und die Stimmung im Startbereich war gut (und das Hygienekonzept übrigens herausragend – man hatte nie das Gefühl, beengt zu sein und jeder hat bis zum Start Maske getragen).

Noch 30 Minuten bis zum Start, also warmlaufen. Nach ca. 10 Minuten kam Thomas dann auf mich zu und fragte ob ich die erste Abbiegung der Laufstrecke schon gesehen hätte. Hatte ich nicht, also nichts wie hin. Nach ca. 300 Metern ging der bis dahin von Schlaglöchern geprägte Laufweg links weg und 2 Meter weiter unten dann weiter. Dazwischen ein aus Schlamm bestehendes etwas, dass den Namen Weg auch wegen der Steilheit nicht verdient hat. Damit war eigentlich klar, was uns heute erwarten würde. Die Radstrecke ging übrigens auch da lang. Ein wenig ernüchtert und doch aufgekratzt sind wir dann zum Start. Thomas war in Gruppe 2, ich in der letzten von insgesamt 9 Startgruppen a 30 Teilnehmern. Zum Start habe ich mir die Gegner dann mal so angeschaut und dachte mir „1. Hälfte locker drin“. „Und gut, dass ich in der letzten Gruppe starte, da werde ich ein paar Gegner einholen können.“ Mit dem Startschuss bin ich dann zügig, aber dennoch kontrolliert los und habe mich in meiner Gruppe wie geplant in der 1. Hälfte einsortiert. Die erste Abzweigung ging ohne Sturz von statten, was kann jetzt noch kommen. Klar, der erste Berg. Und der war direkt mal so steil, dass man ihn quasi erklimmen musste. Dann der 2. Berg. Etwas flacher, so dass man laufen konnte, dafür aber ca. 500 Meter lang. Auf diesen Anstieg war ich vorbereitet und bin zügig aber kontrolliert hoch und wie geplant habe ich angefangen den ein oder anderen Gegner einzusammeln. Auf diesem Stück wurde ich dann auch zum 1. Mal an diesem Tage von den Profis aus der 1. Startgruppe überrundet. Nach 1.5 km ging es dann in Wellen langsam wieder bergab, einige Stellen aber sehr steil und ebenso glatt wie rutschig – jetzt weiß ich auch wofür man Trail Schuhe braucht (die ich aber nicht besitze).

Trotzdem war ich mit dem Laufen ganz zufrieden. Nun rauf aufs Rad und los. Die berühmte Linkskurve auch diesmal ohne Sturz überstanden, aber die Rechtskurve direkt danach zwang mich das erste Mal zum Anhalten. Verärgert wieder losgefahren und mit max Power hoch den Berg. So dachte ich zu mindestens. Die Realität sah anders aus. Es folgte der klassische „Fasst-Hinfaller“ und dann schieben. Dabei machte es dann auch „Ping“, denn die automatische Kameraauslösung des Photographen geht auch bei Schrittgeschwindigkeit. Mein Kommentar war nur, dass ich das Bild vermutlich nicht kaufen werde. Dann der lange Berg. Runterschalten, runterschalten, runtersch… oh Mist kein Gang mehr da. Nicht gut.

Dann halt langsamer treten und versuchen nicht blau zu werden. Lief wie beim Laufen eigentlich ganz gut. Selbsterklärend, dass ständig schnellere Fahrer von hinten kamen. Die Halbprofis die mich beim Laufen nicht erwischt hatten, aber leider auch der ein oder andere direkte Gegner. Aber ein paar Gegner habe auch ich eingesammelt. In Summe noch im Plan. Gut kurz danach wurde ich zum 2. Mal an dem Tag überrundet, da muss man durch. Zum Ende der ersten von zwei Radrunden ging es dann leider auch wieder runter. Und das teilweise in engen, kurvigen Trails durch den Wald. Der Boden natürlich matschig. Genau das, was ich nicht kann und wovor ich echt Angst habe. Es kam was kommen musste. Bei dem Versuch ein cooler Mountainbiker zu sein, habe ich mich dann auch direkt mal abgelegt. Autsch! Schnell wieder hoch, damit mich von hinten keiner überfährt. Kurzer Bike-Check – schein O.K. zu sein. Lenker leicht schief, aber das stört nicht. Alles noch dran? Zu mindestens nichts gebrochen und kein offensichtlicher Blutverlust. Also rauf aufs Rad und weiter. Die nächsten 10 Minuten kämpfte ich mit Schmerzen, Krämpfen und der inneren Stimme, die zu mir sagte „hör auf“. Dann habe ich aber für mich den inneren Frieden gefunden und dachte mir „eigentlich viel zu lustig, um aufzugeben“. Damit war klar, dass ziehe ich durch! Heute geht es ums Ankommen!

Die 2. Radrunde lief dann auch unspektakulär. Dort wurde ich dann übrigens zum 3. Mal von den Profis überrundet. Die kritischen Bergabstellen ohne jegliches Risiko zu Fuß bewältigt, den Berg hoch deutlich langsamer gefahren, vor allem wegen den schweren Beinen. Wie war das nochmal mit der „Minirunde“ und der Grundlagenausdauer?

Zuletzt nochmal auf die Laufstrecke. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die längere Bergpassage zügig gegangen bin (und dabei schneller war als der Radfahrer vor mir), auf den schnellen bergab Passagen Seitenstechen hatte und in Summe fasst 4 Minuten langsamer war als in der ersten Runde. Leider gab es auch weit und breit keinen Gegner mehr zu sehen, was sicherlich auch nicht gerade geholfen hat. Nach genau 2 Stunden dann das Ziel. Patz 45 von 61 „Finishern“. Den Anspruch „1. Hälfte“ deutlich verfehlt. Aber es war trotzdem jede Minute wert.

Nach einer kurzen Erholung ging ich zurück zur Wechselzone, um Thomas abzupassen, der ja noch laufen musste. Die Profis waren natürlich schon lange im Ziel – obwohl stimmt gar nicht, die zwei echten Profis haben aufgegeben, wie wir später mit Genugtuung herausfanden. Thomas lief dann auch 10 Minuten später als geplant kopfschüttelnd an mir vorbei und meinte nur zur Radstrecke „was war das denn?“. Am Ende wurde er dann 39. und nicht wie erhofft 20. (immer noch top Leistung finde ich). Und hingelegt hat er sich auf der Radstrecke ebenfalls. Nach einigem Wunden lecken sind wir aber dann doch ziemlich fröhlich vom Dannen gezogen und wir sind uns beide einig nächstes Jahr kommen wir wieder. Denn wir haben beide „unfinished business“ mit der Radstrecke.

Das Gute dabei: Wir haben jede Menge Ideen für mehr Equipment (Trail Schuhe, versenkbare Sattelstütze). Aber ich fürchte wir werden doch spezifischer trainieren müssen. Es ist halt doch was anderes ob ich 40 km auf dem Rennrad versuche eine stabile Geschwindigkeit zu halten, oder ob ich mit dem MTB durch den Wald auf Trails hoch und unter runterfahre. Das Stichwort ist „Laktatbildung“.

So, damit bin ich auch am Ende meines Berichtes. Ein großer Dank noch an die Familie von Thomas, denn es hilft immer ein bekanntes Gesicht an der Strecke zu sehen. Und für die Fotos muss ich somit auch nicht bezahlten (hätte ich eh nicht, wer will schon ein Foto von sich, wie er sein Rad schiebt).

Großes Lob an den Veranstalter. Toll gemacht! Viele Grüße an alle Teilnehmer. Nächstes Jahr werde ich mich stärker wehren und den Waldtrail fahre ich dann rauf runter ohne Sturz und Schieben (noch zu beweisen)!

In dem Sinne allen eine schöne Winterpause, ich mach doch noch ein wenig mehr Grundlagenausdauer.

Dirk