Nicht nur Triathlon aus Leidenschaft...

Ausdauerleistungsverein (ALV) Mainz e.V.

Inferno Triathlon

 

Wir schreiben das Jahr 2019. Wir, das sind Marian und David, kommen aus irgendeinem Grund auf die Idee am Inferno Triathlon 2020 im Berner Oberland als 4er Team teilzunehmen. Also machten wir uns auf die Suche nach ambitionierten Mitstreitern; die MTB und Berglaufstrecke mussten schließlich noch besetzt werden. Dann kam Corona und alles weitere ist bekannt…

Auch Anfang 2021 waren unsere Werbeversuche nicht wirklich von Erfolg gekrönt, sodass wir uns kurzerhand entschlossen als 2er Team zu starten. Die Aufteilung war relativ schnell klar: David schwimmt und fährt Mountainbike, Marian fährt Rennrad und läuft. Mit einer gehörigen Portion Respekt vor den Teilstrecken ging es in die Vorbereitung. Immer mit dem Ziel, Spaß auf dem Wettkampf zu haben, und wenn es gut läuft, um 9 Std und 30Min zu finishen.

Zum Inferno: So schön die Kulisse der Teilstrecken ist, (immerhin schwimmt man im Thuner See, radelt erst auf die große Scheidegg, dann auf die kleine Scheidegg, und läuft schlussendlich nach Mürren mit einem fantastischen Blick auf die „Jungfrau“) so brutal ist mit knapp 4500Hm das Höhenprofil des Triathlons.

Der Raceday rückte näher, und die Haupterkenntnis aus dem Mini-Trainingslager waren: AUF KEINEN FALL ÜBERPACEN!

Dann war es endlich so weit: Der Wecker klingelt um kurz vor 4 Uhr. Der Sternenhimmel ist klar und die Wetterprognose für den Tag perfekt - Sonnenschein pur bei 28°C. Erstmal nen Kaffee machen, und ein bisschen schnacken. Wobei das Redebedürfnis um 4 Uhr bekanntermaßen übersichtlich ist…der letzte Check des Equipments und dann geht’s los.

Am Schwimmbad angekommen, kam das erste Mal dann endlich so etwas wie Rennfeeling auf. Marian machte sich mit dem Schiff auf den Weg nach Oberhofen, David bereitete den Neo vor.

Die Schwimmstrecke:

Der Start sollte um 6:30 erfolgen. Die Schwimmstrecke ist relativ simpel. Rein ins Wasser und in einer möglichst geraden Linie dem Licht entgegen Schwimmen (Das Oberhofener Schloss) Ich (David) bin bekanntermaßen kein Fan des frühen Sports, schon gar nicht, wenn es draußen kalt ist, und ich dabei nass werde. Daher entschloss ich mich das Einschwimmen im Becken zu überspringen und stattdessen die ersten 500m zu nutzen, um in den Wettkampf reinzukommen. Sollte schon irgendwie passen.

Startschuss und los…. Denkste…. jetzt war erstmal laufen angesagt; gut 50 – 80m im knietiefen Wasser auf losem Untergrund …yay…

Irgendwann wurde es dann doch noch tief und endlich gings richtig los. Leider habe ich erst recht spät gemerkt, dass die Wahl meiner Wasserlinie nicht sonderlich beliebt war. Das Hauptfeld war immerhin ca. 30m rechts von mir. Ran an die Kurskorrektur. Nun konnte das Rennen endlich so richtig beginnen. Der berühmte „Flow“ wurde gefunden und die 500m Split-Zeiten wurden stetig schneller; Teilnehmer um Teilnehmer wurde überholt. Nach gut 56min in Oberhofen angekommen, gings raus aus dem Wasser und so schnell wie möglich zur Wechselzone. Dort angekommen übergab ich den Transponder und fast auch mich selbst (der ein oder andere Schluck Seewasser war wohl zu viel). Marian empfang mich mit den warmen Worten „Mach ruhig, du wärst nicht der Erste…“ und weg war er…

Die Rennrad Strecke:

Mit Rennradschuhen auf nassem Gras ging es raus aus der Wechselzone. Die Radstrecke verläuft dann nur ein paar hundert Meter flach und schon darf ich mich über 10-12% Steigung freuen. Genau mein Gelände. Da ich durchaus dazu tendiere mich in meiner Euphorie am Anfang völlig zu zerlegen blieb mein Blick erstmal auf dem Fahrradcomputer geheftet. Einfach stur 300W treten. Ich kassierte einen Fahrer nach dem anderen ein und genoss den Blick über den Thuner See und auf das Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau, das nun in der Morgensonne strahlte. Vom Ambiente her sicher einer der schönsten Wettkämpfe, die es gibt.

Nach den ersten 800 Höhenmetern fuhr ich meistens alleine, das Feld hatte sich schon sehr auseinander gezogen. Hinter Beatenberg kam dann die erste Abfahrt runter nach Interlaken. Hier zeigten mir einige Schweizer ihre Fähigkeiten in der Abfahrt. Da habe ich mal fein kleine Brötchen gebacken. Aber naja, wir sehen uns am Anstieg zur Großen Scheidegg wieder….

Ab Interlaken wurde die Strecke erstmal unspektakulär. Es geht flach am See entlang, rein in die Auflieger, 35er Schnitt, Beine frei fahren. Ich bin quasi die ganze Zeit alleine gefahren. Wettkampfstimmung kam hier wirklich nicht auf.

Spannend wurde es dann wieder am Fuße der Großen Scheidegg. 1400 Höhenmeter mit bis zu 15% stehen hier an. Zunächst gab es wieder etwas race feeling – ich konnte ein großes Feld an Fahrern überholen aber war nach 20 Minuten wieder so ziemlich einsam unterwegs. Nur die Kühe leisteten mir Gesellschaft und Wanderer feuerten mich ab und zu an. Hier machte sich wirklich bezahlt, dass ich es am ersten Anstieg entspannt habe angehen lassen. Und die 1:1 Übersetzung war Gold wert.

Das Panorama findet hier seinen Höhepunkt: man fährt direkt unterhalb der Scheidegg Wetterhorn Nordwand und auf der Großen Scheidegg angekommen sieht man die Eiger Nordwand direkt vor sich.

An der Passhöhe beginnt dann eine technisch anspruchsvolle Abfahrt. Gefälle bis 15%, sehr enge Kurven mit Wanderern, Geröll und natürlich Kuhfladen in diversen Trocknungszuständen auf der Straße. Und wieder diese Schweizer, die sowas mit 40km/h noch abfahren können. Chapeau.

Nach der Hälfte der Abfahrt weitete sich die Straße und ich konnte mit gut 50km/h auf perfektem Asphalt durch die Kurven nach Grindelwald gleiten.

In der Wechselzone schrie mich David ununterbrochen mit Motivationssprüchen an bis er sich den Transponder von meinem Bein geholt hatte. Er wollte wohl eher sich als mich motivieren…

Für mich war jetzt erstmal ca 2.5 Stunden Pause (Anmerkung von David: 2 Stunden und 9 Minuten), in denen ich wieder Energie für den Berglauf tanken musste.

Die Mountainbike Strecke:

Von Grindelwald sollte es die ersten 11km stetig aufwärts zu Kleinen Scheidegg gehen (1200Hm mit einer durchschnittlichen Steigung von 11%). Wie oft habe ich mir in der Vorbereitung gesagt „Puls am Anfang niedrig halten… Feuer für das letzte harte Stück aufheben, …. Lieber etwas langsamer anfahren“ Nichts, aber so gar nichts habe ich eingehalten. Mit der ersten Steigung nach knapp 200m auf dem MTB war mein Puls auf 164 Schlägen pro Minute und sollte dort bleiben bis ich auf der Kleinen Scheidegg angekommen war. Wohl wissend, dass die MTB Strecke mit Abstand unsere schwächste Teildisziplin würde, wurde ich erwartungsgemäß von einigen Teilnehmern auf dem Weg hoch überholt. Wie sich später herausstellte auch von unserem direkten Konkurrenten, der sich allerdings mit der Pace noch mehr verzettelt hatte als ich und im oberen Teil richtig eingebrochen ist. Obwohl der Weg auf die Kleine Scheidegg echt anstrengend ist, ist das Panorama, sobald man aus dem Wald kommt, umwerfend. Einziger Makel: Man sieht die letzten 150Hm bereits die Bahnstation vor sich (diese markiert den höchsten Punkt) und weiß genau, jetzt wird es richtig steil….teilweise bis 25%.

Der Weg runter nach Lauterbrunnen ist bis auf wenige Passagen uninteressant und recht langweilig zu fahren. In Lauterbrunnen angekommen, geht es die letzten Kilometer bis nach Stechelberg wieder leicht bergauf, ein unfassbar zähes Stück. Also nochmal alles in die Pedale rein was geht, Puls voll auf Anschlag, und den leicht metallischen Geschmack im Mund…angekommen; Tracker an Marian übergeben, Bike weg und hinlegen. Ich war lange nicht mehr so erschöpft wie jetzt…

Der Berglauf:

Ich lag im Schatten unter einem Baum und versuchte mich mental in einen Zustand zu argumentierten, in dem ich wieder Lust auf Sport hätte. Mäßiger Erfolg. Dann wurde unsere Startnummer aufgerufen, was bedeutete, dass David gleich in der Wechselzone ankommt.

Mittlerweile war es sehr heiß im Tal, die Sonne brannte und ich hatte so richtig keinen Bock.

David kam an, stieß das MTB von sich, ich pflückte mir den Transponder von seinem Bein und er fiel mit einem Wimmern zu Boden. Ich ließ ihn da so liegen und stakste auf müden Beinen los. Ich fühlte mich zwar als müsste ich erst wieder laufen lernen aber die Uhr zeigte eine 4:30 pace. Naja, ging ja auch leicht bergab. Die ersten 5km waren also quasi zum Warmlaufen und wieder klar kommen bevor es in den 800 HM Anstieg ging.

Am Berg habe mich an jeder Verpflegungsstation komplett mit Wasser übergossen um nicht zu überhitzen. Im Kopf wälzte ich die Frage warum ich mir den Scheiß überhaupt antue während ich andere Athleten überholte und von den frischen Team Trophy Läufern abgezogen wurde.

Aber auf dem Hochplateau nach Mürren (dem Zielpunkt) lief es tempomäßig dann erstaunlich gut und mein Durchschnittstempo rückte immer mehr an die 6:00 heran.

Der letzte Kilometer in Mürren war auf Asphalt und zwischen den Gebäuden nochmal richtig heiß und der Endspurt führte bergauf. Hier kam David dazu um die letzten Meter gemeinsam zu laufen.

Im Ziel war nur noch abliegen im Schatten angesagt. David brachte mir noch Getränke und ein Schweizer redete auf mich ein. Aufgrund meiner geistigen Umnachtung und seines Dialektes verstand ich erst nicht was er sagte. Dann war klar: wir hatten es auf den dritten Platz geschafft.

Unser Fazit:

Mit 8:41h waren wir deutlich unter der angepeilten Zeit, hatten massiv Spaß  an der sportlichen Herausforderung, und wurden sogar mit einem unvorstellbarem 3. Platz in der Wertung „Couples – Männer“ belohnt.

Das Abenteuer Inferno hat sich für uns in vieler Hinsicht gelohnt, dennoch haben wir für uns entschieden, dass es ein einmaliger Spaß war. Warum? Dafür gibt es 2 Gründe:

1.) Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Die Zeit wird sich nur mit viel Training verbessern lassen und eine bessere Platzierung ist quasi unerreichbar.

2.) Die Organisation war, typisch Schweiz, sehr gut, aber Wettkampfstimmung kam, aufgrund der wenigen Zuschauer und der Streckenwahl, nur sehr selten auf- man ist eben häufig auf sich allein gestellt. Dazu ist der Startplatz mit knapp 500€ recht teuer und die goodies (Preise, T-Shirt etc) dem Preis wirklich nicht angemessen.

Wir werden im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder die sportliche Herausforderung suchen, allerdings wohl eher abseits des Wettkampfes; dafür mit einer ähnlich atemberaubenden Kulisse – Ideen gibt es bereits…

Cheers Marian & David