Auf die Platte
Am 7. März traten fünf ALV-Mitglieder beim traditionsreichen Wiesbadener Berglauf die Platte, Fertig, Los an. Der Name verharmlost den Lauf völlig, denn es geht in der Version extreme; zweimal auf den Taunushauptkamm und wieder runter ins Nerotal und am Ende die steilen Serpentinen zum Neroberg hinauf.
Start und Ziel sind die selbe Linie auf dem Neroberg, dazwischen liegen laut Streckenbeschreibung vom LC Olympia 27 Kilometer, 700 m Abstieg und 690 m Anstieg. Ob der Neroberg während des Laufes geschrumpft wird oder man durch ein Wurmloch tunnelt? Zuzutrauen wäre es dem eifrigen Team, das keine Mühen scheut, den Läufern das Rennen so angenehm wie möglich zu machen. Zig Posten säumen die Strecke und versorgen die Vorbeileidenden mit der richtigen Richtung und aufmunternden Worten. Da einem unterwegs Zeit und Luft für einen Dank fehlt, sei dieser hier nachgeholt.
Die Runde führt vollständig durch den Wiesbadener Stadtwald, der nicht nur läuferisch, sondern auch kulturell einiges zu bieten hat. Es geht auf Kutschenwegen vorbei an Schutzhütten aus der Kaiserzeit und der Leichtweishöhle, auch die nassauische Wasserversorgung Kisselborn wird umrundet. Augen hat man aber nur für das Jagdschloss Platte, denn ab dort geht es vorerst wieder herunter. Wer bei der dortigen Verpflegung auf Hirschbraten gehofft hatte, wird enttäuscht: der LCO scheint nicht zu den Jägern, sondern zu den Sammlern zu gehören, und daher gibt es Obst, Trinken und motivierende Worte für die langen 300 Höhenmeter bergab, bevor man sich aus dem Nerotal erneut hoch und wieder runter quält. Jetzt wäre Zeit, dass die freundlichen Helfer einem mal die Ablöse anbieten könnten.
Zum krönenden Abschluss geht es parallel zur wasserballast-betriebenen Nerobergbahn brutale Serpentinen auf den Wiesbadener Hausberg. Dafür mangelt es hier nicht an Publikum, das einen mit Mitleidsbekundungen, Anfeuerungsrufen und Kritik an der gemeinen Streckenführung unterhält. Man ist emotional geneigt, letzterem zuzustimmen, aber darf sich halt nicht wundern, dass es bei einem Berglauf auch bergauf geht.
Auf dem Zahnfleisch gehend erreicht man das Ziel, womit zumindest 1.5m der 10m Höhenunterschied erklärt sind. Traditionell gibt es dort bei LCO-Veranstaltungen für alle Finisher eine Olympia-Schokolade, doch in diesem Jahr muss man mit einer anderen Sorte vorlieb nehmen. Ob der Verein sich nun in LC Joghurt umbenennt, bleibt abzuwarten; es soll aber auch egal sein, solange er weiter Veranstaltungen wie diese oder den Neroman-Triathlon am 9. Mai 2026 organisiert. Wichtiger wäre, dem Berglauf mal mit "Zweimal den Taunus hoch und runter und dann den verdammten Neroberg rauf" einen passenden Namen zu verleihen.
Gewinnen konnten den 27-km-Lauf Stefanie Richters vom LT Ennert Bonn und Jan Rittgen; und so landete der Frauentitel zwar nicht im ALV, aber in der Familie.
Für den ALV war die Veranstaltung aber auch ein voller Erfolg: die zeigt Anne und Matthias erfolgreich auf der Classic-Distanz (9 km), Ulrich bei Strong (15 km) sowie Matthias, Wolfgang und mich im Ziel auf der Extreme-Strecke. ALV-Training bringt halt schon was.


