ALV Mainz e.V.
 

Mystic Mittelrhein 2026

Sechs Tagesetappen auf dem Rheinsteig am Stück durchs UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal? Am 24. Oktober 2026 bot der Ultralauf „Mystic Mittelrhein“ diese Gelegenheit bei Sturm und Regen von Braubach nach Rüdesheim. Der Community-Run ohne Zeitnahme oder Siegerehrung bot die perfekte Gelegenheit, die reizvollen Trails zu erkunden.



12 Personen machten sich um Mitternacht auf die 100 Kilometer mit rund 4000 Höhenmetern. Knapp 30 Spätaufsteher trafen sich um 9:30 Uhr in Sankt Goarshausen für die kleine Variante mit 55 km und 2100 Höhenmetern – darunter auch ich zu meinem ersten Ultramarathon. Nachdem der Weg durch den Tarifdschungel der örtlichen Verkehrsverbunde gefunden war, wirkte die Fahrt mit dem Bus schon fast wie der Beginn einer Klassenfahrt. Während die Läufer in der Nacht noch durchnässt wurden, bot uns der morgendliche Nebel über dem Rhein die versprochene mystische Stimmung. Die Wettervorhersage stimmte zuversichtlich, aber Regensachen und Ersatzklamotten blieben doch in der Weste.

Nach ein paar Metern optimistischen Joggens ging es, wie es sich für den Rheinsteig gehört, gleich kräftig hoch zum Dreiburgenblick – bis zum Ziel bekommt man rund 15 Burgen zu sehen. Mein Mantra zum Ankommen war: (1) alle Steigungen gehen, (2) beim Gehen immer essen und (3) bloß nicht zu schnell loslaufen. Mit meinem kauenden Wanderschritt landete ich in der ersten Steigung ganz vorne im Feld, so dass ich mir schon Sorgen über Punkt 3 machte. Bis zur Lorelei hatte sich vorne eine sechsköpfige Gruppe herausgebildet, von denen vier mir bei einem langen Anstieg davonliefen. Irgendwie kam ich kauend im Steilstück vor Dörscheid aber wieder ran. Mittlerweile leuchtete das Band des Rheins im gleißenden Licht der tiefstehenden Sonne. In Kaub feierten wir den Halbmarathon mit 900 Höhenmetern in 2:30 Stunden und stoppten kurz an der Jugendherberge zum Wasserlassen und -fassen. Dass hier auf die Nachzügler in der Gruppe gewartet wurde, zeigte schon: Beim Mystic Mittelrhein stand das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund. Und ich merkte dort, leicht erschreckt: Jetzt nochmal 33 km – selbst ohne Halbmarathon davor bin ich so weit noch nie gelaufen.

In Lorch bei km 33 konnten wir den Magen füllen und ein gemütliches Schwätzchen halten, so dass wir kaum wieder loslaufen wollten. Wir holten kurz danach einen Läufer ein, der unbemerkt vorbeigelaufen war und so waren wir uns gar nicht sicher, wer eigentlich gerade vorne ist. Nachdem der Marathon mit 1700 Höhenmetern in 5:20 Stunden erreicht war, konnte ich kaum glauben, noch bei den Ersten dabei zu sein. Kurz danach zeigten sich aber erste Wehwehchen an den Füßen, der anspruchsvolle Trail durch die Steinhalden des Teufelskadrichs forderte meine Konzentration und die steile Asphaltrampe runter nach Assmannshausen gab mir den Rest, so dass die anderen enteilten. Nach dem Abbiegen im Ort waren die vier aber plötzlich wieder zum Greifen nahe, so dass ich kauend hinauf Richtung Jagdschloss Niederwald hinterhereilte. Als ich sie einholte, erfuhr ich, dass sie sich freundlicherweise im Ort verlaufen hatten.

Kurz vor dem Niederwalddenkmal verständigten wir uns, als Gruppe bis zum Ende zu laufen. Da sonst niemand in Sicht war, nahmen wir uns Zeit für ein gemeinsames Foto an der Germania. Nach gut sieben Stunden kamen wir glücklich und ziemlich am Ende unserer Kräfte in der alten Asbach-Brennhalle in Rüdesheim an, wo Kuchen, Bier und viele gute Worte auf uns warteten. Und während Hirn und Herz am Folgetag voller Dankbarkeit und Freude über den langen Tag im Mittelrheintal waren, waren Beine und Füße der Meinung, so etwas sollte grundsätzlich verboten werden. Vielleicht heißt es ja nächstes Jahr wieder „Mystic Mittelrhein“.

E-Mail
Infos